2004-04-05T00:00:00+02:00

Vietcong: Purple Haze Robben, bis der Arzt kommt

Test: PC · 05. Apr 2004 ·

Ihr wollt wie in Battlefield: Vietnam durch das Dickicht kriechen und Vietkongs auf Korn nehmen, habt aber keinen Internetzugang und der Einzelspielerteil von Battlefield reicht Euch nicht? Dann ist Vietcong genau richtig für Euch, zu einem gerechten Preis gibt es jetzt Addon und Hauptprogramm im Bundle- bei uns im Test.

Unser Auftrag ist eine feindliche Artilleriestellung zu vernichten, leider liegt das Gebiet im tiefsten Dickicht des vietnamesischen Dschungels und es wimmelt dort nur so vor Gegnern. Da mir und meinem Team der Zielbereich unbekannt ist, lassen wir uns von dem Kundschafter Nhut, der uns geraten hat möglichst wenig Geräusche von uns zu geben und ihm dicht auf den Fersen zu bleiben, führen. Nach ein paar Schritten stehen wir in einem riesigen Vietkong-Hinterhalt, in dem wir von zwei Seiten aufs Korn genommen werden. Und wenn man hier selber nicht ums Leben kommt, dann wird sicherlich einer unserer Kollegen die Flinte ins Korn werfen (dazu unten mehr). Nach dem dritten Anlauf hat unser gesamtes Team es endlich geschafft, das Gebiet zu infiltrieren. So sieht eine ganz normale Spielszene in Vietcong: First Alpha aus, dem Add-On zu Vietcong, das jetzt im Bundle erschienen ist und von uns ausgiebig getestet wurde.

Willkommen bei den Grünen

Die meisten Bundeswehrsoldaten hätten nach einem Helikopterflug mitten im Dschungel von Vietnam mehr als genug vom Kriegsdienst - nicht so die Jungs von "Fist Alpha", einem Profiteam der US-Spezialeinheit, bestehend aus Mitgliedern der Elitetruppe "Green Machine". Fest entschlossen, "Charlie" keinen Fuß breit Boden zu gönnen, beginnen sie in Vietcong: First Alpha mit dem Aufbau des Lagers Nui-Peks, dem Dreh- und Angelpunkt des Hauptprogramms. Zeitlich gesehen liegt das im Bundle enthaltene Add-On also vor den Ereignissen des Hauptprogramms, spielerisch gesehen ist es jedoch um einiges anspruchsvoller.

Wo sitzt dieser Vietkong denn nur?!

Wie in der Einleitung bereits beschrieben, ist Vietcong: Purple Haze ein Bundle aus Vietcong und dessen Add-On Vietcong: First Alpha. Das Spiel reitet auf der aktuellen Welle der Taktik-Shooter, hat jedoch Probleme mit der KI der Mitstreiter. So bleiben Teile unseres Teams an einfachen Baumstämmen oder Ähnlichem hängen. Den Freunden sind die Befehle, die man ihnen erteilt, meistens egal und die Vietkong lauern hinter fast jeder Ecke, sind kaum zu erkennen und verdammt geschickte Schützen.

Die Steuerung des Spiels knüpft an Gerne-Standards an – man fühlt sich gleich heimisch. Das Bootcamp aus dem Hauptprogramm lässt uns den bei den Mariens herrschenden Ton, der aus atmosphärischen Gründen englisch aus den Boxen dröhnt, jedoch mit deutschen Untertiteln belegt ist, kennen lernen. Da kommt von der ersten Minute an das aus Filmen wie „Full Metal Jacket“ oder „Appocalypse: Now“ bekannte Vietnam-Gefühl auf und das hält dann auch bis zur letzten Minute des Spiels an.

Für Anfänger ist aber wohl das Tutourial das einzige Abenteuer, das sie in Vietcong wohl durchstehen werden, denn der Schwierigkeitsgrad ist sehr hoch angesiedelt, wenn auch nicht unbedingt unmenschlich. Daher sollten Anfänger mit Einzeleinsätzen anfangen und sich langsam an das Vorgehen in Vietcong zu gewöhnen, um besser mit dem Spiel zurechtzukommen.

Multiplayer

In Vietcong sind eine Vielzahl von Modi enthalten, unter anderem: CTF (Capture The Flag: Erobere die feindliche Flagge), TDM und DM (Team-Deathmatch und Deathmach), ATG (Angriff-Team-Spiel: Erfüllt mit eurem Team unterschiedliche Aufgaben) und Coop (Cooperation: Kämpft zusammen mit Menschen gegen computergesteuerte Gegner). Wie auch bei vielen anderen Spielen macht der kooperative Modus am meisten Spaß.

Jeder Modi hat seinen eigenen Charme, leider kann er es jedoch keinerzeit mit Battlefield: Vietnam aufnehmen. Warum? Ganz einfach: Im direkten Vergleich zieht Vietcong deutlich den Kürzeren, obwohl die Modi wesentlich abwechslungsreicher als bei der Konkurrenz sind. Nur bleibt das taktische Vorgehen im Online-Spiel, ganz im Gegenteil zum Singleplayer, zeitweise auf der Strecke. Viele Spieler sind in Vietcong nämlich nicht dazu bereit, sich mit dem Rest ihres Teams kurzzuschließen und vermasseln das Vorgehen in der Gruppe, jenes ist in sofern der Fehler des Spiels, da es solches Vorgehen nicht mit einem schnellen Tod bestraft, sondern mit vielen „Frags“ belohnt.

In welchem Busch bin ich hier denn?

Authentizität ist das A und O eines Militär- und Taktik-Shooters und hier kann Vietcong auf voller Linie punkten: Eine stimmigere Grafik wird man im Gerne vergebens suchen. Auf Grafikschnickschnack ála Pixel- oder Vertex-Shader wird zwar verzichtet, aber dennoch können die sehr detailgetreuen Schauplätze und das daraus entstehende Realitätsgefühl einen entscheidenden Beitrag zur mitreißenden Atmosphäre liefern. Das Dickicht der Bäume, die Tunnel und das Gras im vietnamesischen Dschungel sind sehr originalgetreu nachgestellt worden und werden von den Gegnern auch gut genutzt, wodurch es manchmal ziemlich schwierig ist, einen versteckten Feind ausfindig zu machen.

Guckst du noch, oder hörst du schon?

Die Musik des Titels passt sich immer dem aktuellen Spielgeschehen an und gibt ihren Teil zum Kino-Gefühl bei. Die stimmungsvolle Musik passt außerdem sehr gut zu den drei lizenzierten Titeln, die ins Spiel aufgenommen wurden: „Primitive“ von den Groupies, „I Wanna Be Your Dog“ von The Stooges und „Hey Joe“ von Deep Purple.Vietcong enthält ungefähr 2000 Soundeffekte, 140 Materialien-Sounds und 6950 Sprachaufnahmen. Das spricht für sich, jede nur erdenkliche Situation, Aktion oder Interaktion hat seinen eigenen Sound verpasst bekommen und wird auch durchweg passend inszeniert. Dank 5.1-Sound muss man sich nicht nur auf seine Augen verlassen, sondern darf auch ruhig seinen Ohren glauben, wenn ein Knacksen in der hinteren Box einen Vietkong verrät.Die Sprachausgabe ist zu Gunsten der Atmosphäre in Englisch und passend synchronisiert worden.

Kommentare

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